EFRAS Hamburg
Liebe Genoss*innen,
diese Welt ist aktuell so abgefuckt - auf allen Ebenen. Die Reichen werden immer reicher, während die Zahl der hungernden Menschen steigt. Dabei profitieren die Bonzen von Kriegen, Krisen und rechten und faschistischen Tendenzen. Sie treiben sie voran, weil sie für ihre Millionen nützlich sind. Und an Musk, Trump, Merz und Co. wird offensichtlich, wie misogyn und sexistisch ihre Ideologie dabei ist. Wie sehr Frauenhass und Patriarchat in kapitalistische Strukturen eingeflochten sind.
Nur 14% der Millionäre weltweit sind Frauen. Und während neoliberale Girlboss-Feminist*innen wahrscheinlich fordern würden, 50% Frauen in die Millionärs-Rankings, wollen wir alle enteignen. Denn es dürfte keine einzige geben. Klar ist, Klassenkampf muss feministisch sein. Epstein ist das beste Beispiel dafür, wie unantastbar reiche Menschen sind und wie sich Männer durch ihre Bro-Culture und patriarchale Machtausübung verbünden. Sie verbünden sich und profitieren gleichzeitig von einer zunehmend rechter werdenden Politik. Der voranschreitende Faschismus ist nützlich für sie und ihre Milliarden. Während sich Gen-Z-Männer also ihre Männlichkeit zurückwünschen, müssen wir FLINTA* doppelt fighten: Gegen patriarchale Gewalt, die verschränkt ist, mit kapitalistischer Scheiße und einem Klassenkampf von oben. Klar ist, kapitalistische Ausbeutung trifft FLINTA* und marginalisierte Menschen besonders.
Wir sind heute auf der Straße, um diese tief verankerten sexistischen und rassistischen Ideologien und kapitalistischen Strukturen zu bekämpfen. Und einen Staat, der kein Interesse daran hat, uns davor zu schützen. Auch die neueste Regierungspolitik trifft uns FLINTA* deutlich stärker. Während der Sozialstaat Stück für Stück abgebaut wird, verlagert sich die Care-Arbeit immer mehr auf FLINTA*, vor allem auf marginalisierte. Der Abbau des Sozialstaats wird auf unseren Rücken ausgetragen. Auch auf dem Arbeitsmarkt sind Frauen massiv benachteiligt. Wir wissen es alle, durch weniger Lohn, weniger Absicherung im Alter und gesellschaftliche Diskriminierung. Aktuell schreitet dabei auch der Abbau von Arbeitnehmer*innenrechten voran. Angriffe auf Arbeitszeitregelungen und absurde Teilzeitregelungen treffen FLINTA* besonders stark. Wir werden aus dem Berufsleben verdrängt und die Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Lohnarbeit wird geschmälert. Als wäre das nicht alles schon genug, treffen uns auch erhöhte Preise für Lebensmittel und Mieten und drängen Frauen gewaltvoll in patriarchale Abhängigkeiten. So versteckt sich auch durch den angespannten Wohnungsmarkt häusliche Gewalt. Sind FLINTA* allerdings von Gewalt betroffen, fehlen hier auch wegen der Kürzung Anlaufstellen und in Deutschland beispielsweise mehr als 12.000 Frauenhausplätze. Deutschland - Täterparadies. Der Abbau von Gewalthilfe, von Beratungsstellen und Notfallsystemen riskiert unsere Sicherheit und unsere Leben. Dabei steigt patriarchale Gewalt in Deutschland. Dabei steigt die Zahl der Femizide massiv.
Insbesondere FLINTA*, die geflüchtet sind, die von rassistischen Diskriminierungen betroffen oder marginalisiert sind, trifft es in einem weitaus drastischeren Ausmaß. Denn beispielsweise Leistungskürzungen oder massive Eingriffe ins Asylrecht wirken sich auf unsere Leben aus. Statt in Sozialleistungen und die Entlastung Care-Arbeit leistender Menschen investiert der Staat in eine Militarisierung, die den Weg für noch mehr strukturelle Gewalt nach innen und nach außen ebnet. Krieg ist immer mit patriarchalen, autoritären und gewaltvollen Strukturen verbunden. Krieg ist verbunden mit den Interessen der Reichen. Sie werden in ihrem Namen geführt für Rohstoffe, Geld und Macht. Krieg sorgt immer für die Retraditionalisierung von Geschlechterrollen und für mehr Kontrolle und Gewalt gegenüber FLINTA* und Queers. Soldatische Männlichkeit wird zum Ideal und Körper mit Uterus zu Geburtsmaschinen im Namen der Nation erklärt. So ist es auch kein Zufall, dass Polizisten und Soldaten überproportional zu Tätern in Partnerschaftsgewalt werden. Wer im öffentlichen Narrativ zur Waffe greifen soll, wird im Privaten allzu oft selbst zur Gefahr.
Auch die Normalisierung von rechtsextremen Talking Points und faschistischen Tendenzen bedrohen marginalisierte FLINTA*. Und Einfallstor hierfür ist Antifeminismus. Der Backlash ist spürbar: In der Tradwife-artigen Rückkehr von traditionellen Rollenbildern, die FLINTA* aus der Öffentlichkeit verdrängen. In Rechten, die wir immer noch nicht haben, wie das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche. In Gewalt, sexualisierter, häuslicher und digitaler, die FLINTA* und ihre Leben auf allen Ebenen bedrohen, ohne Konsequenzen. In verbalen Abwertungen, Tätern, die immer noch Bühnen bekommen, und in Talking Shows ihre sexistische Scheiße verbreiten. Machos hinter Rednerpulten, die eigene Verantwortung nicht übernehmen, sondern sie in rassistische Talking Points verwandeln und damit noch Geld scheffeln.
Wir FLINTA* kämpfen also gegen Staat und Patriarchat, gegen Ehe, Küche, Vaterland, gegen Kapitalismus und Machtverhältnisse. Klar ist, wir sind heute alle zusammen auf der Straße, um gegen Patriarchat und Kapitalismus zu kämpfen. Trotzdem hört das Patriarchat nicht innerhalb unserer Strukturen auf zu wirken. Immer wieder müssen wir erleben, wie FLINTA* auch innerhalb linker Strukturen Gewalt erleben. Immer wieder müssen wir daran erinnern, wie gewaltvoll das Patriarchat ist und wie sehr mit anderen Machtstrukturen verwoben. Immer wieder müssen wir Reflexion und Verantwortungsübernahme einfordern und unseren Platz in Gruppen erkämpfen. Und wir haben keinen Bock mehr. Hört auf, Täter zu schützen. Unterstützt feministische Kämpfe. Fangt an, Verantwortung zu übernehmen.
Klar ist auch, im Kampf gegen Gewalt gegen FLINTA*, im Kampf gegen rechte Strukturen und den antifeministischen Backlash, im Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung, können wir uns auf den Staat nicht verlassen. Deshalb müssen wir uns miteinander solidarisieren, unsere Kämpfe verbinden und auch innerhalb unserer Strukturen gegen patriarchale Machtstrukturen vorgehen. Für einen feministischen Klassenkampf, für ein solidarisches Miteinander!
Gegen Macker und Sexisten, fight the power, fight the system!