Klimabewegung

Die Klimagerechtigkeitsbewegung ist tot. Das ist nicht ganz richtig, sie liegt im Sterben und ist auf dem Weg in die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit. 2019 demonstrierten noch über 1,4 Millionen Menschen in Deutschland und über 7,6 Millionen weltweit für Klimaschutz. Zum globalen Klimastreik im September letzten Jahres waren es nur noch ca. 50.000 Menschen deutschlandweit. Wir sind abgestumpft gegenüber immer neuen Meldungen von Wetterrekorden und Extremwetterereignissen. Der Kampf gegen den Klimawandel ist nicht vorbei, seine Relevanz ist nur aus den Köpfen verschwunden.

Bereits 2024 erreichte die globale Durchschnittstemperatur erstmals einen Wert von mehr als 1,5°C. Mit dem kaum noch aufzuhaltenden Absterben der Korallenriffen wurde der erste Klimakipppunkt bereits überschritten. Weitere werden folgen. Immer mehr Menschen spüren in einem drastischen Ausmaß die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels. Unerträgliche Hitze in Teilen Asiens und auf dem afrikanischen Kontinent werden in Zukunft dafür sorgen, dass Gebiete unbewohnbar werden. Wasser wird immer mehr zu einer Ressource, um die Konflikte entstehen, wie jetzt schon beim Nil oder dem Euphrat. In Zukunft wird es aufgrund der globalen Erderwärmung zu weiteren Fluchtbewegungen und damit zu weiterem Leid für die Menschen kommen, wenn wir uns angucken wie heute schon Geflüchtete kriminalisiert und bekämpft werden.

Beflügelt von einem weltweiten Erstarken rechter Kräfte wird der gesellschaftliche Backlash auf allen Ebenen vorangetrieben, um erkämpfte Errungenschaften rückgängig zu machen. Auch der Klimaschutz als Teil der Angriffe auf verschiedene Wissenschaften steht auf der Zielscheibe. Die AfD leugnet seit Jahren den menschengemachten Klimawandel und fordert die Abkehr von erneuerbaren Energien zurück zu fossilen Brennstoffen. Ein ganzes Klimawandelleugner-Netzwerk, bestehend aus Lobbygruppen wie dem in Deutschland tätigen Europäischen Netzwerk für Energie und Klima (kurz EIKE), der Hayek-Gesellschaft oder dem US-Amerikanischen Heartland Institute sind gut vernetzt und nutzen ihren Einfluss, um ihre Positionen in die Politik zu bringen. Mit Erfolg. Gut 60% der republikanischen Abgeordneten leugnen den Klimawandel. Die AfD hat zum Teil Positionen von EIKE eins zu eins in ihr Wahlprogramm übernommen.

Mit dem massiven Ausbau der Gasinfrastruktur als sogenannte Brückentechnologie mit LNG-Terminals und Gaskraftwerken zementieren wir eine weitere fossile Industrie in Deutschland. Dadurch ist Deutschland zwar unabhängig von russischem Gas geworden, hat dies aber durch eine Abhängigkeit von Gas aus den USA und Qatar getauscht. LNG besteht aus Methan, einem Treibhausgas das um ein vielfaches stärker wirkt als CO2. In den USA wird das Gas zu einem großen Teil durch Fracking gewonnen. Einem Verfahren, bei dem giftige Chemikalien unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten eingebracht werden, um das Gas zu lösen. Häufig findet das Fracking auf indigenem Gebiet statt. Boden und Grundwasser werden kontaminiert und es kommt zu Erkrankungen bei der Bevölkerung. Gas ist keine Lösung für die Klimakrise. Es verschärft sie nur!

Immer wieder wird auch die Wiedereinführung der Atomenergie in den Raum geworfen. Vor allem die AfD und die CDU und CSU fordern den Wiedereinstieg. Dabei werden viele Atomkraftwerke bereits zurückgebaut. Ein Wiedereinstieg wäre extrem kostspielig, außerdem sind Atomkraftwerke mit erneuerbaren Energien schlecht kombinierbar, da sie sehr lange Hoch- und Runterfahr-Zeiten haben. Auch gibt es bis heute kein Endlager für den atomaren Müll. Und auch in Zukunft wird es keinen Ort geben, an dem der Müll für mindestens eine Million Jahre sicher lagern kann. In den vergangenen 70 Jahren der zivilen Nutzung der Atomkraft gab es immer wieder kleinere und größere Unfälle, bei denen die Kernschmelzen in den Atomkraftwerken Tschernobyl und Fukushima nur die Spitze darstellen. Wie gefährlich Atomkraftwerke vor allem in Kriegssituationen sind, sehen wir in der Ukraine oder im Iran. Atomenergie ist ein unkalkulierbares Risiko und sollte nicht genutzt werden!

Die Klimagerechtigkeitsbewegung liegt im Sterben. Aber was können wir jetzt tun? Das weltweite Klima wird sich verändern. Wie drastisch die Veränderung ausfällt, ist schwer zu sagen und hängt davon ab, um wie viel Grad sich die globale Temperatur erhöht und welche Kipppunkte bis dahin überschritten sind. Es lohnt sich also, weiter zu kämpfen. Für jede einzelne Nachkommastelle, um die sich das Klima weniger erwärmt. Belebt die Klimabewegung wieder! Aber nicht, um an die Politik zu appellieren, sondern, um echte Veränderungen zu bringen! Denn im Kampf für Klimaschutz können wir uns nicht auf den Staat verlassen. Staaten existieren, um die herrschenden Verhältnisse zu schützen und die Organisierung der Gesellschaft im Interesse der Mächtigen zu strukturieren. Eine Klimagerechtigkeitsbewegung muss deswegen eine Graswurzelbewegung sein! Blockiert gemeinsam fossile Infrastruktur, geht auf die Straße gegen Faschos, denn Klimaschutz heißt Antifa! Unterstützt No Border Projekte für die Menschen, die jetzt auf der Flucht sind, und alle Kommenden, die dazu gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Organisiert euch und gebt euch gegenseitig Hoffnung. Die Welt ist scheiße genug. Passt aufeinander auf!

Und zum Ende noch ein kleiner Werbeblock: Wenn ihr gemeinsam mit vielen anderen Menschen den Ausbau der Gasinfrastruktur blockieren wollt, beteiligt euch am Ende Gelände Camp und der Massenaktion Ende Mai im Ruhrgebiet!