Textsammlung zum 1. Mai 2026

Anarchismus und Festung Europa

Festung Europa ist ein bestimmtes Wort.
Viele Menschen benutzen dieses Wort, wenn sie über Europa sprechen.

Früher haben kritische Menschen „Festung Europa“ gesagt.
Sie meinten damit: Europa schließt sich ab und lässt keine Menschen rein, die Hilfe brauchen.
Sie finden das nicht gut.

Heute benutzen auch rechte Gruppen das Wort „Festung Europa“.
Diese Gruppen wollen, dass Europa wie eine Burg ist.
Sie wollen, dass kaum noch Menschen von außen hereinkommen.

Früher haben auch die Nazis das Wort „Festung Europa“ benutzt.
Sie meinten damit damals eine große Mauer und Befestigungen in Frankreich.
Diese Mauer hieß Atlantikwall.
Am Tag D-Day haben andere Länder diese Mauer zerstört.
Die Nazis haben das Wort aber auch nicht als erste genutzt.
Den Begriff gibt es schon sehr lange.
Wahrscheinlich kommt er schon aus der Zeit von Napoleon.

Heute reden viele Menschen gut über die „Festung Europa“.
Das bedeutet: Viele finden es gut, dass Europa Menschen nicht hineinlässt.
Das ist gefährlich.
Deshalb ist es wichtig, dass wir dagegen reden.
Vor allem Menschen, die für Anarchismus sind, machen das.
Das sind Menschen, die keine Grenzen und keine Staaten wollen.

An den Grenzen von Europa sterben jedes Jahr viele Menschen.
Sie sterben, weil sie nicht nach Europa hineindürfen.

Wir wollen, dass alle Menschen überall leben dürfen.
Wir wollen keine Grenzen.
Wir wollen, dass Menschen friedlich miteinander leben.

Was uns Hoffnung macht:
Auch Napoleons „Festung Europa“ ist gefallen.
Auch die Nazis haben ihre „Festung Europa“ verloren.
Deshalb glauben wir:
Auch die jetzige „Festung Europa“ wird nicht für immer bleiben.
Wir kämpfen weiter dagegen.

Viele Jahrzehnte wurde der Begriff „Festung Europa“ genutzt, um kritisch auf die europäische Abschottungspolitik hinzuweisen. Inzwischen wird er zunehmend auch von Rechten zur Beschreibung ihrer politischen Vision verwendet. Damit stellen sie sich wieder einmal in die Tradition des Nationalsozialismus: Schon die Nazis nutzten „Festung Europa“ als Synonym für den Atlantikwall; Verteidigungsanlagen an der französischen Küste, die am D-Day schließlich von den Alliierten durchbrochen wurden. Wie so vieles haben die Nazis den Begriff jedoch nicht erfunden, ursprünglich geht er wohl auf die napoleonische Zeit zurück.

Das positive Framing zeigt, wie sich der Diskurs in Zeiten des Rechtsrucks verschoben hat. Gleichzeitig verdeutlicht es aber auch die Wichtigkeit, von linksradikaler und vor allem anarchistischer Seite dagegen zu halten. An den EU-Außengrenzen sterben jedes Jahr tausende Menschen. Dieser mörderischen Abschottungspolitik setzen wir unsere antinationalen Ideale entgegen. Kämpfen wir weiter für eine Welt ohne Staaten und ohne Grenzen, in der alle Menschen friedlich zusammen leben können.

Was uns positiv stimmt: Napoleons Festung Europa ist gefallen. Wie auch die der Nazis. Und so wird auch die jetzige Festung Europa nicht für alle Ewigkeit gegen unseren Widerstand bestehen!