Textsammlung zum 1. Mai 2026

140 Jahre Haymarket Riot

Am 1. Mai 1886 gab es einen großen Streik in Chicago.
Bei einem Streik hören alle Arbeitende auf zu arbeiten.
Gewerkschaften haben den Streik organisiert.
Die Arbeiter*innen wollten weniger arbeiten.
Sie wollten nur 8 Stunden am Tag arbeiten.
Vorher mussten sie oft 12 Stunden am Tag arbeiten.

Der 1. Mai ist seitdem ein wichtiger Tag für Arbeiter*innen und Gewerkschaften.
Arbeitende auf der ganzen Welt feiern an diesem Tag.
Sie erinnern an ihren Kampf für bessere Arbeit.

Am vierten Tag des Streiks ist etwas Schlimmes passiert.
Jemand hat eine Bombe geworfen.
Viele Menschen waren dort versammelt.
Bei der Explosion starben 8 Polizisten.
Auch viele Demonstrierende wurden getötet.
Niemand weiß genau, von wem die Bombe kam.
Niemand weiß genau, wie die Polizisten gestorben sind.
Viele glauben, dass die Polizei und der Staat schuld haben.
Sie sagen: Die Polizisten haben auch aufeinander geschossen.

Die Protestierenden denken: Die Regierung und die Polizei sind schuld am Tod der Menschen.

Damals haben die Arbeitenden um viele Sachen gekämpft.
Sie wollten weniger arbeiten.
Sie wollten mehr Lohn.
Manche Dinge, für die sie gekämpft haben, gibt es heute noch.
Zum Beispiel den 8-Stunden-Tag.
Aber wir müssen aufpassen, dass diese Dinge uns nicht wieder weggenommen werden.

Damals gab es neue Ideen zur Gesundheit.
Man hat gemerkt: Gesundheit ist mehr als nur schnell Tabletten nehmen.
Es ist wichtig, dass Menschen gesund bleiben und sich erholen können.
Aber die Regierung sieht das oft anders.
Sie denkt: Mit der Gesundheit der Menschen kann man Geld verdienen.
Viele Menschen müssen so lange arbeiten, bis sie krank werden.
Sie bekommen dann oft wenig Rente und haben im Alter Probleme mit Geld.

Arbeit soll gerecht sein.
Alle, die arbeiten, sollen mitbestimmen, wie sie arbeiten.
Arbeitende können zusammen Streiks machen.
Sie können sich selbst organisieren.
Sie kämpfen gemeinsam für ihre Rechte.
Diese Rechte haben sie erkämpft.
Deshalb ist eine starke Gemeinschaft wichtig.
Reiche Politiker*innen sollen nicht allein entscheiden.
Menschen, die nicht ausgebeutet werden, sollen nicht über die bestimmen, die leiden.

Wir wollen selber entscheiden.
Wir organisieren uns gemeinsam.
Wir bleiben stark und lassen uns nichts wegnehmen!
Wir wollen ein schönes Leben für alle.
Wir wollen keine Ausbeutung!

August Spies war einer der Arbeiter damals.
Er wurde wegen seines Kampfes zum Tode verurteilt.
Er hat gesagt: „Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben.“
Das heißt: Wir sind Menschen und verdienen Respekt.

Zur langen Version des Textes

Am 1. Mai 1886 begann in Chicago ein mehrtägiger, von den Gewerkschaften organisierter Streik, um eine Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden durchzusetzen. Dies begründete die Tradition der internationalen Arbeiter*innenbewegung und der Gewerkschaften, den 1. Mai als Kampftag der Arbeiter*innenklasse zu begehen.

Am 4. Tag des Streiks wurde eine Bombe in die versammelte Masse geworfen. Es starben 8 Polizisten und eine unbekannte Anzahl Protestierende. Bis heute ist unklar, ob die Cops in Auseinandersetzungen mit den Streikenden getötet wurden oder im Chaos durch gegenseitiges Kreuzfeuer. Bei den Protestierenden hingegen ist sehr wohl klar, wer für ihren Tod die Verantwortung trägt: Der Staat und seine Büttel.

Zu Zeiten des Haymarket Riot haben unsere Genoss*innen für einen 8-Stunden-Tag und bessere Löhne gekämpft, Errungenschaften, die wir heute vor Merz und Konsorten schützen müssen. Das Prinzip der Salutogenese war damals gerade dabei, im Gesundheitssystem anzukommen; der Gedanke der präventiven Gesundheitsvorsorge wuchs. Nicht nur Symptome kurzfristig zu heilen, nach dem Motto: Schmerztablette rein und ab zur Arbeit! Regierende sind da anderer Meinung: In ihrem Verständnis ist Gesundheit ein Kapital, das ausgeschlachtet werden muss, bis mensch sich völlig ausgebrannt krankmeldet und kaputtgeschuftet wurde. Über eine zusammengekürzte Rente geht es ab in die Altersarmut.

Die Arbeit muss von denen geformt werden, die sie ausführt. In Selbstorganisierung, durchgesetzt durch Streiks und Verhandlungen, umgesetzt von freien Räten. Verankert durch Rechte, die wir uns blutig erkämpft haben. Geschützt durch eine starke, klassenbewusste und notfalls militante Arbeiter*innenbewegung. Wohlhabende Politiker*innen, die nicht von der Ausbeutung betroffen sind, dürfen nicht die Macht haben, über die Ausgebeuteten zu bestimmen.

Wir bleiben selbstbestimmt und selbstorganisiert, wir bleiben unregierbar! Für ein schönes Leben ohne Ausbeutung für alle! Oder mit den Worten von August Spies, einem der 7 zum Tode Verurteilten in der Haymarket Affair: „Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben!“