Textsammlung zum 1. Mai 2026

Solidarität statt Charity

Wir wollen Solidarität wirklich leben.
Solidarität heißt: Wir helfen uns gegenseitig.
Gemeinschaft ist sehr wichtig für uns.
Gemeinschaft gibt uns Halt.
Besonders, wenn Rechte immer mehr Macht bekommen.
Gemeinschaft hilft uns, wenn die Polizei uns bedroht.
Gemeinschaft hilft uns, selbst zu entscheiden.
Wir wollen nicht nur auf Probleme reagieren.
Wir wollen unser Leben selbst bestimmen.

In den USA gibt es die Schwarze Befreiungsbewegung.
Zum Beispiel in Minnesota.
Dort haben Nachbarn sich organisiert.
Sie helfen sich gegenseitig.
Sie versorgen sich gemeinsam, zum Beispiel mit Essen.
Auch bei Gewalt durch die Polizei.

In Athen gibt es Gruppen die sich helfen.
Die Zapatistas sind eine Gruppe aus Mexiko.
Auch sie machen vieles gemeinsam.
Sie alle zeigen uns: Solidarität ist gelebte Praxis.
Solidarität heißt: Dein Kampf ist auch mein Kampf.
Solidarität ist eine bewusste Entscheidung.
Wir stellen uns an die Seite der Menschen, die Unterstützung brauchen.
Auch wenn wir selbst nicht betroffen sind.

Solidarität ist zum Beispiel:
Menschen helfen, die von Nazis bedroht werden.
Zuhören, wenn Menschen von Gewalt berichten.
Sich wehren, wenn Menschen abgeschoben werden sollen.

Unsere Gesellschaft trennt viele Menschen voneinander.
Das tut die Gesellschaft mit Absicht.
So soll es keine Aufstände geben.
Deshalb ist Community Care wichtig.
Community Care heißt: Wir kümmern uns in der Gemeinschaft umeinander.
Das ist eine Art des Widerstands.

Community heißt: Wir kennen uns wirklich.
Wir sprechen offen miteinander.
Gemeinschaft heißt mehr als nur Harmonie.
Gemeinschaft heißt auch: Mal streiten, sich vertragen, Verantwortung übernehmen.

So wird Gemeinschaft ein Schutzraum.
Schutzräume sind heute sehr wichtig.
Wir brauchen Menschen, die uns helfen.
Wir brauchen Menschen, die Banden bilden.
Wir schützen uns auf Demos und bei Aktionen.
Doch Solidarität beginnt im Alltag.

Solidarität ist zum Beispiel:
Nachbarschaftstreffen.
Gemeinsames Essen.
Tauschen und Verschenken von Sachen.
Gemeinschafts-Gärten.
Gemeinsame Kinderbetreuung.
Hilfe bei Behörden, Ärzt*innen und Gerichten.
Überall dort, wo einzelne Menschen Hilfe brauchen.

Deshalb: Tut euch zusammen!
Bildet Banden!
Für eine Welt, in der alle frei sind!

Wir wollen Community und Solidarität nicht nur als Schlagworte in einer links geprägten Sprache sehen, sondern als gelebte Praxis verbreiten. Ein solidarisches Miteinander, das uns Halt in diesen Zeiten gibt und uns trägt, wenn der Rechtsruck voranschreitet. Ein Miteinander, das uns schützt, wenn der Staat und seine Handlanger*innen in Uniform selbst die Bedrohung sind, und eines, das uns ermöglicht, selbstbestimmt zu leben und nicht nur zu reagieren.

Schauen wir in die USA auf die schwarze Befreiungsbewegung, wie in Minnesota, sehen wir, dass so ein Miteinander möglich ist. In Momenten massiver Polizeigewalt entstanden neue Formen der Nachbarschaftsorganisation und kollektiver (Selbst)Versorgung. In Athen können wir auf selbstorganisierte Strukturen blicken und bei den Zapatistas neue Prinzipien lernen. Solidarität ist dort mehr als nur ein Gefühl, es ist die überzeugte Annahme: „Dein Kampf ist auch meiner!“ Sie ist eine Praxis, zu der wir uns bewusst entscheiden, indem wir uns an die Seite aller Unterdrückten stellen. Auch wenn wir nicht direkt mitgemeint sind. Sie zeigt sich darin, wer kommt, wenn Faschos wieder aufmarschieren, wer zuhört, wenn Betroffene patriarchaler Gewalt sprechen, und wer sich dagegen stellt, wenn Leute abgeschoben werden sollen.

In einer Gesellschaft, die uns gezielt systematisch vereinzelt, um Aufstände im Keim zu ersticken ist Community Care ein Akt der Rebellion! Community heißt wir kennen uns. Nicht oberflächlich sondern, wahrhaftig! Sie ist nicht das romantisierte Bild der harmonischen Gemeinschaft, sie bedeutet soziale Geflechte, Verantwortung und Konfliktfähigkeit.

Genau das kann eine Community zu einem Schutzraum machen und diese sind heute unabdingbar. Denn wir brauchen Leute, die wir kennen, die wir alarmieren können, die uns zur Seite stehen. Wir brauchen Kompliz*innen in unseren Kämpfen. Wir schützen uns auf Demos und Aktionen, doch nachhaltige Solidarität beginnt im Alltag: Nachbarschaftstreffen, Küfas, Tausch- und Umsonstläden, Gemeinschaftsgärten, kollektive Kinderbetreuung, Begleitung zu Ämtern, Ärzt*innen, Gerichten und überall dort, wo das Leid einzelner anfängt.

Also: Bildet Banden! Für eine Welt, in der wir alle frei sind!