Textsammlung zum 1. Mai 2026

Wider die Katastrophe und das Vergessen: Sudan zurück ins Rampenlicht
Im Jahr 2019 gab es im Sudan eine große Veränderung.
Die Menschen im Sudan haben viele Jahre unter einer harten Regierung gelitten.
Ein Herrscher hieß Umar al-Baschir.
Das sudanesische Militär hat Umar al-Baschir gestürzt.
Viele Menschen im Sudan wollten keine neue Militär-Regierung.
Die Menschen haben zusammengehalten und sich gegenseitig geholfen.
Viele Gruppen kämpften zusammen für eine bessere Zukunft.
Auch viele Anarchist*innen waren dabei.
Im Jahr 2023 hat das Militär etwas versprochen.
Das Militär hat versprochen, dass bald eine zivile Regierung das Land führen soll.
Aber das Militär hat sein Versprechen nicht gehalten.
Dann kam es zu einem schlimmen Machtkampf.
Die sudanesische Armee hat gegen die Gruppe „Rapid Support Forces“ gekämpft.
Es gab viele Tote und Verletzte.
Das ist eine der größten Katastrophen der letzten Jahre.
Aber kaum jemand in der Welt spricht darüber.
Die Zeitungen und Fernsehsender berichten wenig über den Krieg im Sudan.
Auch Menschen aus anderen Ländern helfen nur wenig.
Der Sudan ist ein Beispiel dafür, wie Kolonialismus Probleme schafft.
Kolonialismus bedeutet: Ein Land wird von einem anderen Land bestimmt und ausgebeutet.
Im Sudan hatten europäische Länder und arabische Länder viel Macht.
Das hat viele Konflikte im Sudan ausgelöst.
Verschiedene Staaten unterstützen den Krieg im Sudan, zum Beispiel Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Es ist wichtig, diese Staaten zu kritisieren.
Es ist aber noch wichtiger, an die Menschen im Sudan zu denken.
Die Menschen im Sudan leiden sehr.
Es passieren viele schlimme Dinge.
Wir dürfen das nicht vergessen.
Es gibt im Sudan aber auch Hoffnung.
Viele Menschen im Sudan haben Träume.
Sie wünschen sich ein gutes Leben und eine bessere Welt.
Wir müssen ihre Stimmen hören.
Wir dürfen sie und ihren Kampf für Gerechtigkeit nicht vergessen.
Wir dürfen das Unrecht nicht einfach hinnehmen.
Nach dem Sturz des Tyrannen Umar al-Baschir 2019 durch das sudanesische Militär hatte eine im Widerstand geschulte Bevölkerung sich nicht mit der Herrschaft einer Junta abfinden wollen. Solidarische Netzwerke der gegenseitigen Hilfe und rebellische Gruppierungen mobilisierten auf breiter Front für eine bessere Zukunft, darunter zahlreiche Anarchist*innen.
Das für 2023 gegebene Versprechen des Militärs, die Herrschaft über das Land in die Hände einer zivilen Regierung zu übergeben, wurde gebrochen. Was folgte war ein blutiger Machtkampf zwischen der sudanesischen Armee und den sogenannten Rapid Support Forces - eine der größten menschlichen Katastrophen des 21. Jahrhunderts.
Doch diese Katastrophe scheint sich im Unsichtbaren zu ereignen: Die Aufmerksamkeit der globalen Medien gilt anderen Themen und auch internationalistische Ansätze zur Solidarität mit dem verbliebenen zivilen Widerstand fehlen größtenteils. Dabei ist der Sudan ein klares Beispiel für das verhängnisvolle Ineinandergreifen von europäischem und auch arabischem Kolonialismus, Militarismus und nationaler Trennlinien. Es gilt, die Nutznießer dieses Konfliktes anzugreifen: Staatliche Akteure wie Russland, die Vereinigten Arabischen Emirate und viele andere; aber in erster Linie Aufmerksamkeit zu schaffen für das Leiden der Zivilbevölkerung und das unvorstellbare Grauen, das sich dort in jedem Moment ereignet.
Wider die Dystopie zu streiten heißt, das Potential und die Sehnsucht im Sudan nach einem besseren Leben und einer besseren Welt zu erkennen und hochleben zu lassen; es bedeutet, die genozidale Agenda der Militärs und Paramilitärs zu benennen und dem Vergessen die Stimme derjenigen entgegenzusetzen, die sich weigern, dem Vergessen anheimzufallen.